Steuern in China

Berücksichtigung von steuerlichen Rahmenbedingungen und Personalkosten

 

Steuern und Perso­nal­kosten lässt sich ein Unternehmen beim alltäg­li­chen Betrieb nicht vermeiden.

Bevor die deutschen Inves­toren in China Geschäft betreiben, sollen die steuer­li­chen Rahmen­be­din­gungen und Perso­nal­kosten hier in Berück­sich­ti­gung genommen werden.

 

DBA Deutschland-China

 

Deutsch­land und China haben ein Abkommen zur Vermei­dung der Doppel­be­steue­rung (DBA) abgeschlossen.

Grund­sätz­lich ist deswegen vorab zu prüfen, ob und wie Steuer­pflicht gegeben ist. Es ist zu beachten, dass das DBA sich nur auf Steuern aus Einkommen bezieht, nicht auf Verbrauchs­steuern und Umsatz­steuern.

 

Körperschaftsteuer

 

Der reguläre Körper­schaft­steu­er­satz beträgt 25%. Die Ermitt­lung des steuer­li­chen Ergeb­nisses wird durch Ausübung von Wahlrechten beein­flusst.

Quali­fi­zierte Klein­un­ter­nehmen mit niedrigem Gewinn unter­liegen einem reduzierten Steuer­satz von 20%, während der Steuer­satz für Hochtech­no­lo­gie­un­ter­nehmen 15% beträgt. Weitere Vergüns­ti­gungen sind abhängig von Standort. China kennt einen begrenzten Verlust­vor­trag aber keinen Verlust­rück­trag. Gemäß dem DBA fällt Quellen­steuer in China in Höhe von 10% auf Dividenden, Zinsen und Lizenz­zah­lungen an. Weil die Quellen­steuer in Deutsch­land nicht anrechenbar ist, wird es zu einer Zusatz­be­las­tung führen, wenn der Empfänger z.B. eine GmbH ist.

In Deutsch­land zählen die Körper­schaft­steuer, Gewerb­steuer und Solida­ri­täts­zu­schlag zu der Ertrags­be­steue­rung. Die Gewerb­steuer-Hebesätze sind je nach Standort unter­schied­lich. Die Gesamt­be­las­tung liegt bei ca. 30%.

 

Persönliche Einkommensteuer

 

Ähnlich wie in Deutsch­land unter­liegen die erzielten Gewinne einer Perso­nen­ge­sell­schaft der Einkom­men­steuer des Gesell­schaf­ters.

Die Steuer­sätze für persön­liche Einkom­men­steuer der Gesell­schafter betragen 5%-35%. Mit einem Jahres­ein­kommen ab 100.000 RMB greift der Spitzen­steu­er­satz von 35%. Es ist aber zu berück­sich­tigen, dass in China die Einkommen verschie­dener Arten unter­schied­li­chen Steuer­sätzen unter­liegen. Die Steuer­sätze für Einkom­men­steuer eines Gesell­schaf­ters unter­scheiden sich beispiels­weise von der für Arbeits­löhne (siehe unten).

 

Umsatzsteuer und Zusatzabgaben

 

Das chine­si­sche Umsatz­steu­er­system ist sehr komplex.

Es gibt drei verschie­dene Arten, die je nach Art des Geschäfts und Empfän­gers unter­schied­lich genannt werden und auch unter­schied­li­chen Steuer­sätzen unter­liegen. Sie sind anders als in Europa für ein Unternehmen nicht nur durch­lau­fende Posten, werden sondern ganz oder teilweise zu echten Kosten. Die Mehrwert­steuer (VAT) fällt bei Einfuhr und Verkauf von Gütern und bestimmten Dienst­leis­tungen wie z.B. Be- und Verar­bei­tung oder Reparatur an. Der reguläre Steuer­satz liegt bei 17%. Für bestimmte Gütern beträgt ein ermäßigter Steuer­satz 13%. Bei der VAT ist ein Vorsteu­er­abzug möglich. Bei Ausfuhr wird der Vorsteu­er­abzug gekürzt. Auf Produkte von quali­fi­zierten Klein­un­ter­nehmen wird die VAT in Höhe von 3% erhoben, welche jedoch nicht zum Vorsteu­er­abzug berech­tigen.

Dienst­leis­tungen und auch Bautä­tig­keiten unter­liegen in China der Geschäfts­steuer (Business Tax). Der Steuer­satz variiert sich je nach der Leistungsart und beträgt 3% bis 20%. Bei Verkauf und Einfuhr von bestimmten Waren wie z.B. Luxus­waren ist Verbrauchs­steuer (Consump­tion Tax) zu erheben, zusätz­lich zu der angefal­lenen VAT. Der Steuer­satz variiert sehr stark nach den Waren­gruppen. Auf die Umsatz­steuer lassen sich weiterhin Zusatz­ab­gaben erheben, nämlich Stadt­bau­steuer, staat­li­cher und lokaler Bildungs­zu­schlag. Die Zusatz­ab­gaben ist Stand­ort­ab­hängig und betragen 6% bis 12% der abzufüh­renden Umsatz­steuer.

 

Stempelsteuer

 

In China wird die Ausstel­lung von gewissen Dokumenten wie z.B. Kauf‑, Werk- oder Beför­de­rungs­ver­trag der Besteue­rung der Stempel­steuer unter­worfen.

Die Höhe des Steuer­satzes richtet sich nach dem zu besteu­ernden Dokument. Zum Beispiel unter­liegt die Ausstel­lung des Kaufver­trags dem Steuer­satz von 0,03% des Kaufpreises.

 

Personalkosten

 

Nach dem Ende der inter­na­tio­nalen Krise sind die Löhne in China rasant zugenommen.

Im südchi­ne­si­schen Perfluss­delta stiegen beispiels­weise im Jahr 2010 die Löhne um 20% an. Im Juni gab Beijing eine Richt­linie für Arbeits­löhne bekannt und schlug eine allge­meine Lohner­hö­hung von 10.5% vor. Das ab 1. Juli 2011 gültige Sozial­ver­si­che­rungs­ge­setz führt außerdem zu einer Erhöhung der Lohnne­ben­kosten. Weil jede Stadt bzw. Gemeinde die Sätze für die einzelnen Versi­che­rungs­arten eigen­händig festlegt, kann es zwischen den Stand­orten Unter­schiede in der Beitrags­be­las­tung für Unternehmen geben. In machen Städten wie z.B. Beijing, Shanghai errei­chen die Lohnne­ben­kosten über 40% der Brutto­löhne. Die Quoten in Südchina sind niedriger.

Die Arbeits­löhne in China unter­liegen einem progres­siven Steuer­satz von 3% bis 45%. Nach dem neuen Einkom­men­steu­er­ge­setz, das ab 1. September 2011 in Kraft treten wird, liegt zwischen 35.000 und 55.000 RMB zu versteu­ernden Monats­ein­kommen der Grenz­steu­er­satz bei 30%. Der Spitzen­steu­er­satz von 45% greift ab einem monat­li­chen zu versteu­ernden Einkommen von 80.000 RMB.

Die Steuer­be­las­tung und Perso­nal­kosten der Unternehmen sind relativ hoch und stets in Bewegung. Die Unternehmen, vor allem die mittel­stän­digen Unternehmen brauchen eine deutliche Entlas­tung. Dies haben einige Wirtschaftler in China seit kurzem angeregt. China benötigt ein leistungs­för­derndes Unter­neh­men­steu­er­recht und wettbe­werbs­fä­hige Struktur, um als attrak­tiver Inves­ti­ti­ons­standort zu bleiben.

Jürgen Bächle

ist seit 1989 als selbständiger Steuer­be­rater und Experte im inter­na­tio­nalen Steuer­recht tätig und seit über 20 Jahren Mitglied im Vorstand des Deutschen Steuer­be­ra­ter­ver­bandes Baden-Württemberg, DSTVBW.

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