Wegzug ins Ausland

Gestaltung der steuerlichen Verhältnisse

 

Ob Sie aus beruf­li­chen Gründen zwei Jahre nach China gehen, sich auf Mallorca oder in Florida eine Auszeit nehmen und von dort aus arbeiten, den Lebens­abend in Südfrank­reich verbringen und aus Deutsch­land Rente beziehen — immer stellt sich die Frage nach der richtigen und zugleich vorteil­haften Gestal­tung der steuer­li­chen Verhält­nisse.

Der Wegzug ins Ausland hat dann beson­dere steuer­liche Konse­quenzen, wenn Sie an einem Betrieb betei­ligt sind. Wenn Sie inner­halb der EU umziehen, stehen die Chancen gut, entgegen der deutschen Gesetz­ge­bung die Versteue­rung der Stillen Reserven zu vermeiden. Bei Wegzug in die Schweiz, in die USA oder nach China sollten wir vorher prüfen, was auf Sie zukommt und ggf. vorteil­haft gestalten. Auch nach dem Wegzug gilt eine verlän­gerte unbeschränkte Steuer­pflicht bei Erbschaften und bei Einkommen aus Deutsch­land.

 

Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort

 

Täglich pendeln gut 45.000 Menschen über die deutsch-schwei­ze­ri­sche Grenze zwischen Wohn- und Arbeitsort.

Seit der Verab­schie­dung der bilate­ralen Verträge zwischen den EU-Staaten und der Schweiz im Jahr 1999 ist es zwar einfa­cher geworden, sich im jeweils anderen Land nieder­zu­lassen. Dennoch entscheiden sich viele Arbeit­nehmer, gerade auch leitende Angestellte mit höheren Einkommen, für eine Trennung von Wohnsitz- und Arbeits­land. Denn es zählt, was nach Verrech­nung von Steuern, Abgaben und Wohnkosten unterm Strich an Geld und auch an Lebens­qua­lität übrig bleibt.

Gerade auch bei den Steuern lohnt sich ein Vergleich. Es ist ja weithin bekannt, dass die Schweizer ein freund­li­ches und hilfs­be­reites Volk sind. Die viel geprie­sene Harmonie scheint jedoch ihre Grenzen im Steuer­wett­be­werb der Kantone unter­ein­ander zu finden. Das gilt erst recht für den Steuer­wett­be­werb benach­barter Staaten. Erst jüngst hat man sich zusam­men­ge­setzt und ein revidiertes Abkommen zur Entschär­fung des Steuer­streits verhan­delt. Im Kern ist dabei gar nicht einmal so viel Neues bestimmt worden, nur dass man künftig offener mitein­ander umgeht und sich gegen­seitig hilft und Auskünfte erteilt. Gerade das jedoch schürt bei so manchem die Nervo­sität.

Mit dem Wegzug verbunden ist nach gewisser Zeit auch eine Änderung im Ehe- und Famili­en­recht sowie des Erbrechts. Das Inter­na­tio­nale Privat­recht orien­tiert sich bei der Frage nach dem eheli­chen Güter­recht an dem Recht des Staates, welcher in der ersten Zeit der Ehe bestim­mend war. Eine spätere Auswan­de­rung ist insoweit unbeacht­lich. Aller­dings ändern sich die allge­meinen Wirkungen der Ehe wie z. B. die Frage, wie lange man getrennt leben muss, um geschieden zu werden und wo das zu geschehen hat. Inner­halb der EU ist man gerade dabei, hier eine Neure­ge­lung zu schaffen.

Jürgen Bächle

ist seit 1989 als selbständiger Steuer­be­rater und Experte im inter­na­tio­nalen Steuer­recht tätig und seit über 20 Jahren Mitglied im Vorstand des Deutschen Steuer­be­ra­ter­ver­bandes Baden-Württemberg, DSTVBW.

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