Einkommensteuerpflicht für Ausländer in China

Steuerpflicht in China

 

In China ist man nach nationalem Recht ab einem Aufenthalt von 90 Tagen mit seinem aus China gewonnen Einkommen steuerpflichtig.

Hat jemand in China und in Europa einen Wohnsitz, so wird diese Frist infolge Doppel­be­steue­rungs­ab­kommen auf 183 Tage verlän­gert. Dauert der Aufent­halt länger als ein Jahr, wird man mit seinen weltweiten Einkünften in China steuer­pflichtig. Daneben leitet China ein Recht auf Besteue­rung des Einkom­mens der Chief Repre­sen­ta­tive und General Manager aus deren Position ab.

Ist eine Person in mehreren Ländern ansässig, gilt sie steuer­lich als in dem Land ansässig, zu dem sie die engeren persön­li­chen und wirtschaft­li­chen Bezie­hungen hat, also das Land, in dem der Mittel­punkt ihrer Lebens­in­ter­essen liegt. Zieht ein deutscher Arbeit­nehmer beispiels­weise mit seiner Familie von Deutsch­land nach China, verkauft sein Haus, behält aber die Ferien­woh­nung im Schwarz­wald, so ist er prinzi­piell in beiden Ländern steuer­pflichtig.

Da er aber mit seiner Familie in China lebt, wird er wegen der persön­liche Bindung als dort ansässig betrachtet. Würde die Familie des Arbeit­neh­mers weiterhin in Deutsch­land leben, wird davon ausge­gangen, dass sich der Mittel­punkt seines Lebens weiterhin in Deutsch­land befindet, was dazu führt, dass die Einkünfte in Deutsch­land versteuert werden müssen, soweit nicht das DBA im Einzel­fall etwas anderes bestimmt.

 

Bestimmungen durch das DBA

 

Ist die Frage der Ansäs­sig­keit geklärt, bestimmt das DBA, unter welchen Umständen welcher Staat die Einkünfte der betrof­fenen Person besteuern darf.

Arbeits­ein­kommen wird in der Regel dort versteuert, wo die Arbeit physisch ausgeübt wird. Es gibt aber auch hier Ausnahmen:

Kann bei Steuer­pflicht in China die tatsäch­liche Zahlung der Steuer nicht nachge­wiesen werden, müssen bei weiterhin bestehendem Wohnsitz (Ferien­woh­nung genügt) nach deutschem Recht die Einkünfte in Deutsch­land (nochmals) versteuert werden.

Durch die Regelungen im DBA kann es in günstigen Fällen aber auch dazu kommen, dass in keinem der beiden Länder Einkom­men­steuer gezahlt werden muss.

Wird ein Arbeit­nehmer beispiels­weise vom Mutter­haus nach China entsandt, um dort den Aufbau einer Tochter­ge­sell­schaft voran zu treiben, sind die Einkünfte, die in diesem Zusam­men­hang entstanden sind, in China offiziell von der Steuer befreit. Die deutschen Behörden sind in diesen Fällen nicht berech­tigt, Steuern zu erheben, obwohl in China keine Steuern entfallen.

Jürgen Bächle

ist seit 1989 als selbständiger Steuer­be­rater und Experte im inter­na­tio­nalen Steuer­recht tätig und seit über 20 Jahren Mitglied im Vorstand des Deutschen Steuer­be­ra­ter­ver­bandes Baden-Württemberg, DSTVBW.

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