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chinesische Finanzbuchhaltung
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Die chinesische Wirtschaft bietet auch für deutsche Unternehmen enormes Potenzial. Das Land befindet sich seit vielen Jahren in einem starken Wirtschaftswachstum. 2023 lag Chinas Anteil am globalen BIO bei etwa 16,9%. Insbesondere in den Sektoren Technologie, Automobil, Konsumgüter & E-Commerce gehört China zu den größten Märkten weltweit. Die chinesische Finanzbuchhaltung kann für deutsche Unternehmen allerdings eine große Herausforderung sein. Es muss zum einen das lokale Recht beachtet und die Buchhaltung nach chinesischem Standard, in Landessprache und in lokaler Währung erstellt werden. Das aber verstehen Ausländer nicht oder ziehen daraus die falschen Schlüsse. Sie brauchen die Information deshalb nach ihrer Denklogik in einer ihnen verständlichen Sprache. Ohnehin müssen die Buchhaltungen von ausländischen Prüfer testiert werden, dazu brauchen Sie das Rechenwerk in dem Standard, der für das Mutterhaus gilt.

Die Steuerberater von artax sind auf den Bereich internationales Steuerrecht spezialisiert und geben in diesem Beitrag einen Überblick über die chinesische Finanzbuchhaltung und erklären, welche Feinheiten und Unterschiede die chinesische Rechnungslegung im Vergleich zu internationalen Standards bietet.

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Wie sieht die chinesische Rechnungslegung aus?

In China sind Unternehmer dazu verpflichtet, ihre Geschäftsaktivitäten genau zu dokumentieren. Diese Geschäftsbücher müssen grundsätzlich in chinesischer Sprache und Währung geführt werden. Unternehmen aus dem Ausland ist es erlaubt, dazu parallel die Dokumentation der Geschäftstätigkeiten in der entsprechenden Fremdsprache, aber nach chinesischem Standard  zu führen.  

Die chinesische Finanzbuchhaltung basiert auf einem strengen Regelwerk, das von staatlichen Behörden festgelegt wird und spezifische Anforderungen an die Buchführung und Berichterstattung umfasst. Chinesische Unternehmen müssen ihre Finanzberichte gemäß den nationalen Rechnungslegungsstandards CAS erstellen. Dazu gehören vor allem:  

  • Generally accepted accounting Principles (China GAAP) 
  • Accounting Law of the People’s Republic of China 
  • Regulations on Financial Accounting Reports of Enterprises 
  • Accounting Standard for Business Enterprises 
 

Wenn Sie ein neues Unternehmen in China gründen möchten, müssen Sie sich auf der chinesischen lokalen Steuerwebsite für eines dieser Rechungslegungs-Werke entscheiden.  

In China gibt es verschiedene Buchhaltungssoftware, das deutschen Programmen wie DATEV ähnelt. Für die Buchhaltung selbst verlangen chinesische Behörden Originalbelege, die mindestens 30 Jahre aufbewahrt werden müssen.

 

Chinesische Rechnungslegung: Diese Berichte sind regelmäßig fällig

Wer ein Unternehmen in China führt, muss in festgelegten Zeitabständen verschiedene Berichte und Steuererklärungen abgeben. Die Abgabefrist liegt zwischen dem 1. und 15. Tag des Folgemonats, kann sich durch Wochenende oder Feiertage allerdings verschieben. Folgende Berichte sind regelmäßig fällig: 

  • Jahresabschlussberichte: Diese Berichte bieten einen umfassenden Überblick über die finanzielle Leistungsfähigkeit und die finanzielle Position des Unternehmens und umfassen die Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Kapitalflussrechnung. 
     
  • Umsatzsteuererklärung: Unternehmen in China müssen jeden Monat  Umsatzsteuererklärungen abgeben, um ihre Umsatzsteuerpflichten zu erfüllen und die korrekte Besteuerung ihrer Umsätze zu gewährleisten. Wer als Small VAT Tax Payer zugelassen ist, gibt die Erklärungen quartalweise ab. 
     
  • Lohn- bzw. Einkommensteuererklärung: Unternehmen sind verpflichtet, monatlich Einkommensteuerer- bzw. Körperschaftseuerklärungen abzugeben, und die Steuern auf ihre Gewinne zu berechnen und zu entrichten. 
     
  • Andere spezifische Berichte: Je nach Branche und Tätigkeitsfeld können auch andere Berichte und Erklärungen erforderlich sein, um die regulatorischen Anforderungen und Bestimmungen in China zu erfüllen.

Chinesische Finanzbuchhaltung im Vergleich zu internationalen Standards

China hat eigene, nationale Rechnungslegungsstandards, die sich in einigen Aspekten von internationalen Standards wie den International Financial Reporting Standards (IFRS) unterscheiden. Diese Differenzen können sich auf die Definitionen von Finanzkennzahlen, die Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten sowie die Darstellung von Finanzberichten auswirken. Ein wesentlicher Unterschied zu deutschen oder anderen europäischen Standards liegt bereits darin, dass China ein anderes Verständnis davon hat, was als selbständig abschreibbares Wirtschaftsgut gilt.  Das zeigt sich auch daran, dass Miet- oder Leasingverträge anders beurteilt werden. So kann es sein, dass nach deutschem Recht eine Halle als gemietet gilt, in China aber ein Wirtschaftsgut aktiviert werden muss – und umgekehrt. 

Auch die Frage, wann und in welcher Höhe Gewinne als realisiert gelten, weicht z.B. von der deutschen oder schweizer Sichtweise ab.  Ein und dasselbe Unternehmen kann nach chinesischem recht einen Gewinn ausweisen, nach anderem Recht aber einen Verlust.  Die Entscheider im Unternehmen müssen sich aber darauf verlassen, dass die Ihnen vorgelten Auswertungen ihrem gewohnten Standard entsprechen. Artax liefert die Auswertungen in mehreren Standards parallel und kann die chinesische Buchhaltung auch ohne viel Mehraufwand nach HGB oder SwissGaap erstellen und z.B. in DATEV bereitstellen.

Das “Golden Tax System”

Das „Golden Tax System“ ist ein elektronisches Steuersystem, das in China eingeführt wurde, um die Steuererhebung zu automatisieren, die Steuerehrlichkeit zu erhöhen und die Effizienz der Steuerverwaltung zu verbessern. Es ist eng mit der Finanzbuchhaltung und Steuerberichterstattung von Unternehmen verbunden und spielt eine wichtige Rolle im chinesischen Steuersystem. 

Das Programm ermöglicht die elektronische Erfassung, Verarbeitung und Übertragung von steuerrelevanten Daten zwischen Unternehmen und den Steuerbehörden. Durch das Programm können Steuerbehörden die Einhaltung von Steuervorschriften überwachen, Steuerprüfungen durchführen und Steuererklärungen effizient verarbeiten. Das System trägt dazu bei, Steuerbetrug zu bekämpfen und die Genauigkeit und Transparenz der Steuererhebung zu verbessern. 

Das Golden Tax System hat seinen Namen von den goldenen Steuerstempeln, die früher auf gedruckten Steuerdokumenten verwendet wurden. Mit der Einführung des elektronischen Systems wurden diese physischen Stempel durch digitale Technologien ersetzt, was zu einer effizienteren und moderneren Steuerverwaltung in China beigetragen hat.

Chinesische Buchhaltung: Besondere Buchführungsmethoden

In China gibt es einige besondere Buchführungsmethoden, die sich von internationalen Standards unterscheiden können. Diese Buchführungsmethoden spiegeln die einzigartigen rechtlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen in China wider und sind wichtig für Unternehmen, um sicherzustellen, dass ihre Buchführung den lokalen Anforderungen entspricht. 

  • Verwendung von Chop-Seals: In China werden oft Chop-Seals verwendet, um Dokumente zu authentifizieren. Diese Siegel dienen als rechtliche Bestätigung für Transaktionen und Verträge und können in der Buchführung als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme verwendet werden. Der Stempel 8Chop) gilt als persönliche Unterschrift des Geschäftsführers. Er ist deshalb sorgsam zu verwahren, am besten extern, z.B. bei artax.  
     
  • Konsolidierung von Tochterunternehmen: Chinesische Unternehmen können verschiedene Konsolidierungsmethoden anwenden, um die Finanzberichte ihrer Tochterunternehmen zu konsolidieren. Diese kann aufgrund der komplexen Eigentumsstrukturen und der Vielzahl von Beteiligungen in China unterschiedlich aussehen 
     
  • Währungsumrechnung: Aufgrund der Verwendung des chinesischen Renminbi (RMB) als lokale Währung gibt es spezielle Regeln und Verfahren für die Umrechnung von Fremdwährungen in RMB für die Buchführungszwecke. 
     
  • Immaterielle Vermögenswerte: Die Bewertung und Erfassung von immateriellen Vermögenswerten wie Marken, Patente und geistiges Eigentum kann in China spezifischen Richtlinien und Standards folgen, die sich von internationalen Standards unterscheiden können.

Buchhaltungssystem in China: Herausforderungen für die Steuerberatung

Die chinesische Finanzbuchhaltung erfordert von Steuerberatern ein tiefes Verständnis für die lokalen Gesetze, Vorschriften und Praktiken sowie die Fähigkeit, sich an die sich ständig verändernde Geschäftsumgebung anzupassen. Als Experten für internationales Steuerrecht muss sich die artax Steuerkanzlei regelmäßig den komplexen rechtlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Landes stellen. Chinesische Unternehmen können komplexe Eigentumsstrukturen und Beteiligungsverhältnisse haben, die die Buchführung und Steuerberichterstattung verkomplizieren können. Darüber hinaus stellen auch die Unterschiede im Aufbau der Erfolgsrechnung (Gewinn- und Verlustrechnung) eine große Herausforderung dar. In China ist das Umsatzkostenverfahren UKV zwingend, in vielen anderen Ländern ist dies unter Umständen zulässig, aber nicht gebräuchlich. Dort wird meist nach dem Gesamtkostenverfahren GKV berichtet. Für die Konzernbuchhaltung muss dann eine Umrechnung von UKV in GKV  erfolgen. Durch kluge Einrichtung der Buchhaltung wird man das mit überschaubarem Aufwand schaffen.

Unterschiede bei Jahresabschlüssen

Die Vorschriften für die Rechnungslegung chinesischer Unternehmen verlangen, dass der Jahresabschluss aus einer Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV), Bilanz, Kapitalflussrechnung, Anhängen zum Jahresabschluss (Notes) sowie Vermögensübersicht besteht. Ein Jahresabschluss muss am Ende eines jeden Geschäftsjahres erstellt werden. 

Der Jahresabschluss von deutschen Kapitalgesellschaften beinhaltet eine Bilanz, eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV), einen Anhang und gemäß HGB mittlerer Größenordnung einen Lagebericht. Nicht-Kapitalgesellschaften (außer GmbH & Co KGs unter bestimmten Bedingungen) müssen lediglich eine Bilanz und eine GuV vorlegen, jedoch keinen Anhang und keinen Lagebericht abgeben. Die Struktur des Abschlusses ist in beiden Ländern im Wesentlichen identisch und umfasst den Grundabschluss, den Anhang und die Erklärung zu den Unternehmensinformationen. Wichtig ist ein gutes Verständnis der Anforderungen in allen beteiligten Ländern.

Das chinesische Umsatzkostenverfahren

In China richtet sich die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem angloamerikanischen Umsatzkostenverfahren. Die Möglichkeit, alternativ das Gesamtkostenverfahren wie in Deutschland zu wählen, besteht nicht. Die Umsatzerlöse in der Gewinn- und Verlustrechnung sind allerdings dieselben wie die des Gesamtkostenverfahrens. 

Im Umsatzkostenverfahren zieht man den betrieblichen Erlösen der jeweiligen Periode die Herstellungs- oder Anschaffungskosten für verkaufte Güter ab. Diese Herstellungskostenermittlungen stammen direkt aus der Kostenrechnung. Daher ist es in China unerlässlich, genau zu wissen, was die Herstellung der Güter kostet und welche Kostenbestandteile in die cost of goods sold einfließen. 

Im deutschen Gesamtkostenverfahren folgen nach den Umsatzerlösen in der Darstellung die Bestandsänderungen. Wer mehr produziert als verkauft hat, muss diesen Überschuss als Bestandserhöhung aktivieren und ins Lager buchen. Wurde in einer Periode weniger produziert als verkauft, gelten die Güter als aus dem Lager entnommen und werden in der Gewinn- und Verlustrechnung als Minusbetrag bzw. Bestandsminderung ausgewiesen. 

In China wird dies im Umsatzkostenverfahren anders gehandhabt. Die Bestandsänderung wird nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Stattdessen werden nur die exakten Kosten abgezogen, die für die verkauften Wirtschaftsgüter anfielen. 

Darüber hinaus werden in China noch die Verwaltungsaufwendungen, administrativen Kosten, Rechnungslegungsaufwendungen, Vertriebsaufwendungen und sonstigen betrieblichen Kosten abgezogen, die dem ähnlich sind, was im Gesamtkostenverfahren zu finden ist. Hier gelten also andere Darstellungen, die aus deutscher Sicht auf den ersten Blick ungewohnt erscheinen. Jedoch werden in China Personalkosten nicht offen, sondern inhaltlich dreigeteilt ausgewiesen. Die Produktivlöhne stecken in den cost of goods sold. Lohnkosten des Vertriebs werden in den cost of sales, Verwaltungsgehälter werden in den admin cost ausgewiesen. Oft sieht man das aber unsauber abgebildet und meint dann die Personalkosten in Gänze zu sehen, was aber nicht stimmt und deshalb zu Entscheidungen führen kann, die nicht wirklich begründet sind.     

Wer beispielsweise im Umsatzkostenverfahren einen Überblick über die Personalkosten erhalten möchte, muss auf die detaillierte Untergliederung der Umsatzkosten achten, also auf den Anteil des produktiven Personals, da in den Umsatzkosten nicht nur das Material, sondern auch das Personal enthalten ist.

Die Account Settlement Method

In China wird eine Kontoverrechnungsmethode für die Bilanzierung von Gewinnen und Verlusten eingesetzt, die sich von dem in Deutschland und anderen Ländern üblichen Verfahren unterscheidet. 

In China werden im Rahmen dieser Account Settlement Method bei jedem Monatsabschluss die Kostenkonten wie Finanzergebnisse, Verwaltungsaufwendungen, Vertriebs- und sonstige Aufwendungen abgeschlossen. Der Saldo wird anschließend auf ein Jahresabschlusskonto gebucht. In den monatlichen Summen- und Saldenlisten sind die monatlichen Kostenkonten dementsprechend immer auf null.

Fazit

Die Steuerkanzlei artax mit einem Unternehmenssitz in Shanghai kann Sie bei der Einhaltung der komplexen lokalen Buchführungs- und Steuervorschriften Chinas unterstützen. Wir helfen Ihnen bei der ordnungsgemäßen Erfassung, Verarbeitung und Berichterstattung von Finanzdaten gemäß der nationalen Rechnungslegungsstandards und Steuervorschriften. Wir können auf elektronische Buchführungs- und Steuersysteme zurückgreifen, die in China gültig sind und sorgen dafür, dass auch Unternehmen mit grenzüberschreitenden Geschäftsaktivitäten steuerlich auf der sicheren Seite sind. Wir tragen Sorge dafür, dass die Entscheider in verständlicher Sprache und in Ihrem Denkmuster die richtigen Grundlagen vor sich haben. Auch der  Wirtschaftsprüfer oder Revisor kann jeden einzelnen Geschäftsvorfall nachverfolgen und beurteilen. So und nur so ist die Buchhaltung compliant und aussagefähig.

Jürgen Bächle
Jürgen Bächle

ist seit 1989 als selbständiger Steuerberater und Experte im internationalen Steuerrecht tätig und seit über 20 Jahren Mitglied im Vorstand des Deutschen Steuerberaterverbandes Baden-Württemberg, DSTVBW.

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