Finanzierung durch Eigenkapital

Eine Machbarkeitsstudie zur Gründung eines Unternehmens

 

Im Zuge der Gründung eines Unter­neh­mens muss eine Machbar­keits­studie vorge­legt werden, die auch einen Business­plan mit integrierter Vermögens‑, Finanz- und Ertrags­pla­nung beinhaltet.

Aus dem Business­plan — erstellt auf Basis US-Dollar — ergibt sich das gebun­dene Kapital, das in China als “total invest­ment” bezeichnet wird. Das sich aus dem Business­plan ergebende total invest­ment bestimmt die Höhe des Mindest-Stamm­ka­pi­tals. Bei einem total invest­ment bis US-$ 3 Mio. müssen mindes­tens 70 % durch Eigen­ka­pital unter­legt sein. In der Regel werden seitens der Behörden bei Dienst­leis­tern jedoch mindes­tens 100.000,00 US-$ als Stamm­ka­pital verlangt, bei Produk­ti­ons­un­ter­nehmen werden meist 140.000,00 US-$ als Unter­grenze gesehen, was bei 70 %-Unter­le­gung einem Mindest­in­vest­ment von 200.000,00 US-$ entspricht. Bei höheren Invest­ments reduziert sich die Mindest-Stamm­ka­pi­tal­ziffer auf 50 %.

 

Genehmigung eines total investment

 

Basie­rend darauf wird im Rahmen der Ertei­lung der Geschäfts­er­laubnis ein total invest­ment geneh­migt.

Die Bedeu­tung dieser Größe wird jedoch vielfach verkannt, wenn man die europäi­sche Sicht­weise mitbringt, wonach nur ein Teil der benötigten Finanz­mittel als Eigen­ka­pital zur Verfü­gung gestellt wird und man die weiter­ge­hende Finan­zie­rung ggf. als Gesell­schaf­ter­dar­lehen zur Verfü­gung stellt, die dann je nach Bedarf auch zurück­fließen können. China will jedoch die Devisen­ströme lenken und hat deshalb hinsicht­lich der Gesell­schaf­ter­dar­lehen eine sehr restrik­tive Vorge­hens­weise. Gesell­schaf­ter­dar­lehen sind nur dann zulässig und können nur dann zurück­ge­zahlt werden, wenn sie vor der Gewäh­rung durch die staat­liche Behörde SAFE geneh­migt sind. Eine Geneh­mi­gung ist nur zu erhalten, soweit das total invest­ment nicht durch Stamm­ka­pital finan­ziert ist, bei mittleren Engage­ments sind das max. 30 % des total invest­ment.

Als Gesell­schaf­ter­dar­lehen gelten nicht nur direkte Zahlungen, sondern auch auslän­disch verbürgte Kredite chine­si­scher Banken an das Tochter­un­ter­nehmen. Auch stehen gelas­sene Liefe­ran­ten­kre­dite des Mutter­hauses werden nach einigen Monaten zu Quais-Gesell­schafter-Darlehen und können bei später vorhan­dener Liqui­dität nicht durch Zahlung an das Mutter­haus ausge­gli­chen werden, wenn keine Geneh­mi­gung der SAFE vorliegt. Dem kann man vor allem durch eine China-spezi­fi­sche Unter­neh­mens­pla­nung und, gemessen am tatsäch­li­chen Geschäft orien­tierter Beantra­gung des total Invest­ment, begegnen. Bei verun­glückten Fällen hilft manchmal die Änderung der Geschäfts­be­zie­hung zwischen Mutter- und Tochter­ge­sell­schaft, was das Entstehen von Liefe­ran­ten­kre­diten vermeidet, z. B. Liefe­rung in Kommis­si­ons­lager oder auch nur die Änderung der Incoterms.

Die Finan­zie­rung der chine­si­schen Tochter­ge­sell­schaften ist eines der großen Themen, mit denen wir uns regel­mäßig befassen. Gerade dann, wenn das Unternehmen sich beson­ders positiv entwi­ckelt, stellt sich die Frage der Finan­zie­rung des working capital in Form von Materi­al­be­ständen, unfer­tigen und fertigen Erzeug­nissen sowie der Forde­rungs­fi­nan­zie­rung. Für ein chine­si­sches Tochter­un­ter­nehmen ist deshalb eine revol­vie­rende Planung mit integrierter Finanz­pla­nung unerläss­lich.

Jürgen Bächle

ist seit 1989 als selbständiger Steuer­be­rater und Experte im inter­na­tio­nalen Steuer­recht tätig und seit über 20 Jahren Mitglied im Vorstand des Deutschen Steuer­be­ra­ter­ver­bandes Baden-Württemberg, DSTVBW.

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