Blick nach vorn
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Mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer stehen angesichts wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen – zunehmend auch beeinflusst durch die künstliche Intelligenz – vor weitreichenden operativen und strategischen Entscheidungen. Diese erfordern eine verlässliche Sicht nach vorn: eine Sicht, die sich nicht an der Vergangenheit orientiert, sondern nachvollziehbar die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens darlegt.

Dafür reichen Finanzbuchhaltung und Jahresabschlüsse im herkömmlichen Sinne nicht aus. Geprägt durch gesetzliche Vorgaben und fiskalische Interessen, sind sie selten ein Abbild der tatsächlichen Vermögens- und Ertragslage. Erforderlich ist eine integrierte Planung, die Investitionstätigkeit und operatives Geschäft zusammenführt. Dabei ist konsequent die Finanzwirkung jeder Maßnahme abzubilden; bei kreditfinanzierten Investitionen gehört insbesondere die Tilgung in diese Betrachtung. Das Ergebnis bildet sich in einer Planbilanz und im Plan-EBIT ab – zwei Größen, die für die Unternehmensbewertung und damit für die Aufnahme von Investoren oder den Verkauf des Unternehmens maßgeblich sind. Die gewonnenen Erkenntnisse wird man dann vor dem Hintergrund des Wettbewerbs in einen sinnvoll strukturierten Maßnahmenplan übersetzen. 

Rein nationale Sichtweisen genügen dabei nicht mehr. Der Wettbewerb um Investoren – und damit auch um die Sicherung der Nachfolge – orientiert sich zunehmend an internationalen Standards. Das gilt selbst dann, wenn die Nachfolge innerhalb der Familie bereits gesichert scheint: Sowohl Inhaber als auch Nachfolger können aus privaten Gründen einen Wegzug ins Ausland erwägen, oder es sind bereits Unternehmensteile ausgegliedert bzw. steht dies noch an. Die Unternehmensstruktur sollte darauf vorbereitet sein.

Die Komplexität eines solchen Vorhabens ist beherrschbar. Am Anfang steht, wie immer, eine Analyse des Ist-Zustands – insbesondere der familien- und erbrechtlichen Situation sowie der gesellschaftsrechtlichen Aufstellung. Das ist das Fundament. Darauf aufbauend lassen sich Möglichkeiten einer, gegebenenfalls auch internationalen, Umstrukturierung entwickeln, die das Unternehmen zukunftsfest, bewertbar und übergabefähig macht.

Wer heute den Blick konsequent nach vorn richtet, schafft die Grundlage, um morgen aus einer Position der Stärke zu entscheiden.

Jürgen Bächle
Jürgen Bächle

ist seit 1989 als selbständiger Steuerberater und Experte im internationalen Steuerrecht tätig und seit über 20 Jahren Mitglied im Vorstand des Deutschen Steuerberaterverbandes Baden-Württemberg, DSTVBW.

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