Mehrwertsteuersystem Schweiz

Mehrwertsteuer in der Schweiz

 

Die Schweiz ist ein hoch attrak­tiver Markt für deutsche und andere Unternehmen. 65% der Schweizer sprechen deutsch. Wer in diesem Markt, in dem sich gute Preise erzielen lassen tätig werden will, muss sich auch mit den Steuer­ge­setzen des Landes befassen. Dazu gehört in erster Linie die MWSt. Die schwei­ze­ri­sche Mehrwert­steuer ist ähnlich wie die Umsatz­steuer in der EU struk­tu­riert. Besteuert werden soll der inlän­di­sche Konsum.

Umsätze aus Liefe­rungen und Dienst­leis­tungen in der Schweiz unter­liegen der MWSt-Pflicht. Die Defini­tion einer Liefe­rung oder Leistung entspricht nicht ganz mit dem deutschen Verständnis einer Liefe­rung überein. Zum Beispiel gilt in der Schweiz Vermie­tung eines Gegen­standes als Liefe­rung, in Deutsch­land quali­fi­ziert die Vermie­tung als Sonstige Leistung. Der Schweizer MWST unter­liegen nur solche Liefe­rungen und Leistungen, deren tatsäch­li­cher oder fiktiver Ort der Leistungs-Erbrin­gung in der Schweiz liegt. Das ist beim Online-Handel und bei Dienst­leis­tungen, aber auch bei Liefe­rungen mit Montage nicht immer einfach zu bestimmen. 

Steuer­pflichtig sind nur Unter­nehmer. Das sind Personen oder Gesell­schaften, die nachhaltig die Absicht verfolgen, Einnahmen zu erzielen. Ist schon bei der Gründung absehbar, dass das Unternehmen weltweit jährlich mehr als 100.000 CHF Umsatz machen wird, oder tritt ein auslän­di­sches Unternehmen auf den Plan, das diese Umsatz­größe längst überschritten hat, dann muss sich das Unternehmen in der Schweiz zur MWSt regis­trieren und erhält eine entspre­chende Unter­neh­mens-Identi­fi­ka­ti­ons­nummer (UID) mit dem Zusatz MWST. Die schwei­ze­ri­sche Unter­neh­mens-Identi­fi­ka­ti­ons­nummer und die Umsatz­steuer-Identi­fi­ka­ti­ons­nummer der EU werden zwar beide mit UID abgekürzt, haben aber nichts mitein­ander zu tun. Daher müssen EU-Unternehmen eine Schweizer UID beantragen auch wenn sie schon eine EU-UID haben und umgekehrt. 

Mehrere Unternehmen, die unter einheit­li­cher Leitung stehen (z.B. Konzern­ge­sell­schaften), können beantragen, dass sie als eine einzige steuer­pflich­tige Person behan­delt werden (Gruppen­be­steue­rung). Das bedeutet, dass Leistungen, welche diese Unternehmen unter­ein­ander erbringen, nicht besteuert werden. Liegen die Umsätze unter­halb der Grenze von 100.000 CHF, kann das Unternehmen jedoch auf die Befreiung verzichten und erreicht dadurch, dass es die in der Schweiz von anderen Unternehmen berech­nete MWSt als Vorsteuer geltend machen kann. Auslän­di­sche Unternehmen müssen einen in der Schweiz ansäs­sigen Fiskal­ver­treter benennen. 

 

Lieferungen

Führt ein in der Schweiz nicht regis­triertes, auslän­di­sches Unternehmen waren in die Schweiz ein, um sie dort zu verkaufen, unter­liegt der Import der Einfuhr-MWSt, die bei erfolgter Regis­trie­rung als Vorsteuer wieder geltend gemacht werden kann. Führt ein auslän­di­sches, nicht regis­triertes Unternehmen Material in die Schweiz ein, um damit Arbeiten auszu­führen, erhebt die Zollbe­hörde eine Einfuhr­steuer, und zwar auf dem Gesamt­wert der Leistung, d.h. Liefe­rung und Montage. Zu beachten ist, dass die Einreise zur Ausfüh­rung solcher Arbeiten grund­sätz­lich geneh­mi­gungs­pflichtig ist und die Geneh­mi­gung für max. 90 Tage im Jahr erteilt wird.
Wird für die Arbeiten in der Schweiz entweder kein Material benötigt oder das Material vom inlän­di­schen Leistungs­emp­fänger bereit­ge­stellt, schuldet dieser unter gewissen Umständen die sogenannte Bezug­steuer. Der Bezug­steuer unter­liegen auch die Einfuhr von Daten­trä­gern ohne Markt­wert mit den darin enthal­tenen Dienst­leis­tungen und Rechten.

Leistungen

Nicht nur für Liefe­rungen, sondern auch für den Bezug von Dienst­leis­tungen von auslän­di­schen Unternehmen kann die Bezug­steuer geschuldet sein. Dies aber nur für Leistungen nach dem Empfän­ger­orts­prinzip. Darunter fallen unter anderem
  • Dienst­leis­tungen auf dem Gebiet der Werbung
  • Leistungen von Beratern, Vermö­gens­ver­wal­tern, Treuhän­dern, Anwälten usw.
  • Manage­ment­dienst­leis­tungen
  • Leistungen auf dem Gebiet der Daten­ver­ar­bei­tung
  • Perso­nal­ver­leih
  • Abtre­tung und Einräu­mung von immate­ri­ellen Rechten

Ist der Empfänger solcher Leistungen als steuer­pflich­tige Person regis­triert, muss er solche Bezüge dekla­rieren und versteuern. Ein Leistungs­emp­fänger, der nicht als steuer­pflich­tige Person regis­triert ist, wird dann bezug­steu­er­pflichtig, wenn er inner­halb eines Kalen­der­jahres für insge­samt mehr als 10’000 Franken solche Leistungen bezieht.

Bestimmte Umsätze sind aus der MwSt.-Pflicht ausge­nommen, gleich­zeitig ist auch ein mögli­cher Vorsteu­er­an­spruch ausge­schlossen. Für bestimmte Umsätze gilt die MwSt.-Befreiung, in diesem Fall bleibt die Möglich­keit eines Vorsteu­er­ab­zugs erhalten. 

Steuersatz

Es gelten zur Zeit folgende Steuer­sätze:

  • Normal­satz: 7,7 %
  • Reduzierter Satz: 2,5 % (Lebens­mittel, Medika­mente, Druckerzeug­nisse usw.)
  • Sondersatz für Beher­ber­gungs­dienst­leis­tungen  3,7 %

 

 

Versteuerung nach Geldzufluss oder nach vereinbarten Entgelten

Unabhängig von der Höhe der Umsätze kann der Unter­nehmer in der Schweiz seine Umsätze auf Antrag erst dann versteuern, wenn er das das vom Kunden erhalten hat. Dann kann er aber auch die Vorsteuern erst bei Zahlung der Rechnungen geltend machen. Als Regel gilt die Versteue­rung nach verein­barten Entgelten. Dann kann auch die Vorsteuer bereits bei Vorlage der Rechnung geltend gemacht werden (Art. 39 MWStG). 

 

Saldosteuersatz

Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 5 Mio. CHF und einer JAhres­steu­er­last von mac. 103.00 CHF 0können auf Antrag die Saldo­s­t­eu­er­me­thode wählen und reichen nur halbjähr­liche Anmel­dungen ein. Bei Anwen­dung eines Saldo­s­t­eu­er­satzes kommt kein Vorsteu­er­abzug in Betracht, dafür ist die MWSt nur mit einem branchen­spe­zi­fisch gerin­geren Satz zu leisten. Der Saldo­s­t­eu­er­satz hängt von der Umsatz­höhe ab und beträgt:

Im ersten Jahr der Steuer­pflicht bzw. im Jahr vor dem Wechsel von der effek­tiven Methode zur Saldo­s­t­eu­er­satz­me­thode dürfen die nachste­hend aufge­führten Jahres­um­sätze nicht überschritten werden:

  •  0,1 %, 0,6 %, 1,2 %, 2,0 % bei einem Umsatz bis zu max. CHF 5,005 Mio.
  •  2,8 % bei einem Umsatz bis zu max. CHF 3,68 Mio.
  • 3,5 % bei einem Umsatz bis zu max. CHF 2,95 Mio.
  • 4,3 % bei einem Umsatz bis zu max. CHF 2,40 Mio.
  • 5,1 % bei einem Umsatz bis zu max. CHF 2,02 Mio.
  • 5,9 % bei einem Umsatz bis zu max. CHF 1,75 Mio.
  • 6,5 % bei einem Umsatz bis zu max. CHF 1,59 Mio.

Beispiel: 

Ein Archi­tekt, dem die ESTV den Saldo­s­t­eu­er­satz von 5,9 % bewil­ligt hat, verein­nahmt während eines Halbjahres 400 000 Franken inkl. MWST. Er dekla­riert in der Abrech­nung den Umsatz von 400 000 Franken und multi­pli­ziert ihn mit dem Saldo­s­t­eu­er­satz von 5,9 %, was eine geschul­dete Steuer von 23 600 Franken ergibt.

 

Anmeldung der Steuer, Fiskalvetreter

Effektiv besteu­erte Unternehmen reichen jedes Quartal eine Abrech­nung bei der Eidge­nös­si­schen Steuer­ver­wal­tung (ESTV) ein; die Frist beträgt 60 Tagen nach Quartals­ende. Die gleiche Frist gilt auch für die Zahlung der Steuer. Bei auslän­di­schen Unternehmen ist der Fiskal­ver­treter verant­wort­lich. Er ist jedoch nur Ansprech­partner und haftet nicht für die Steuer. Es sei denn, sie hätten vorsätz­lich eine Anmel­dung mit zu geringer Steuer abgegeben. 

 

 

 

Jürgen Bächle

ist seit 1989 als selbständiger Steuer­be­rater und Experte im inter­na­tio­nalen Steuer­recht tätig und seit über 20 Jahren Mitglied im Vorstand des Deutschen Steuer­be­ra­ter­ver­bandes Baden-Württemberg, DSTVBW.

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